Themen:
Wie alles anfing
Fönfliegen in Innsbruck
Was kam danach?
Flugbeginn
Flugbetrieb
Eigene Planierraupe
Unterbringung der Flugzeuge
Erste Flugschüler aus Riedelbach
Windenbau bei der Fa. Willi Meister in Ffm, Windeckstr.
Fusion Riedelbach - Rüsselsheim
Alle nachfolgenden Texte wurden von Ernst Pleschke, einem der Gründungsmitglieder des SFC Riedelbach, verfasst. Deshalb schildern die Texte die Verhältnisse, wie sie damals zwischen dem SFC Riedelbach und dem LSC Bad Homburg waren und sind teilweise aus subjektiver Sichtweise geschrieben.
Inzwischen haben der SFC Riedelbach und der LSC Bad Homburg ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis zueinander, da die früheren Streitigkeiten aus dem Weg geräumt sind.
Wie alles anfing
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Am Anfang war es eine Idee
Wir schrieben das Jahr 1963
Für uns Segelflieger war das Treiben auf dem Flugplatz Anspach sehr unerfreulich. Während die Motorflieger ihre Runden drehten, standen wir auf dem Hallendach, um es mit Dachpappe und heißgemachtem Teer zu flicken. Was da in einem Segelfliegerherz vorging, kann sicher jeder ermessen, zumal wuchtige Cumulanten sehr früh schon am Himmel standen.
Da war es Günter Ehrhardt, der eine Idee hatte: "Im Taunus gibt es doch andere geeignete Flächen für den Segelflug, müssen wir uns denn hier noch länger herumkommandieren lassen!"
Wie gesagt, am Anfang war es so eine Idee.
Fönfliegen in Innsbruck
Nach zähem Ringen mit dem 1. Vors. Hermann Zitter durfte eine Exkursion nach Innsbruck geplant werden. Wir suchten nach einer Sauerstoffanlage und im Spätsommer 1963 wurden wir in Frankfurt bei einer Fliegergruppe fündig. Mit einigen technischen Tricks wurde dieses Gerät in eine Ka-8 eingebaut.
Ende Oktober war es dann so weit, doch der Vorstand baute jetzt noch schnell eine neue Hürde auf, indem wir verpflichtet wurden, eine zusätzliche Versicherung abzuschließen. Es kam der Tag der Abfahrt und wir verabredeten unseren Treffpunkt an der Einfahrt Langen der Autobahn A-5, und zwar für nachts um 4 Uhr.
Da staunten wir nicht schlecht, als plötzlich zu dieser nacht-schlafenden Zeit Hermann Zitter auftauchte. Er müßte doch noch einmal alles kontrollieren, aber offensichtlich ging es ihm in der Hauptsache um die Versicherungspapiere. Er verschwand dann wieder in der Dunkelheit. Für uns war das jedoch ein ziemlich starker Toback und sicher auch ein Beweggrund für unsere späteren Entschlüsse.
In Innsbruck hatten wir viel Zeit. Durch das Wetter bedingt kamen wir wenig zum Fliegen. Es ist auch hier Glücksache, ob der Fön bläst - die richtige Jahreszeit hatten wir jedoch gewählt.
So kamen wir immer wieder auf unser leidiges Thema zurück, nämlich:
" DER SEGELFLUGBETRIEB AUF DEM FLUGPLATZ ANSPACH ".
Nach langwierigen Diskussionen wurden wir uns darüber klar, dass sich die Verhältnisse in Anspach nicht ändern werden. Auch erschien es als wenig sinnvoll, den Verein von innen heraus zu reformieren.
Es gab zwei Gründe dafür, warum man den Club nicht umkrempeln sollte. Einmal wäre dieser Weg sehr nervenaufreibend und noch dazu sehr zeitaufwendig und zum anderen ist der Verein für einfache Mitglieder auch zu teuer. Harald Quandt, millionenschwerer Unternehmer, und andere zahlungskräftige Leute hatten dem Luftsportclub Bad Homburg den Stempel aufgedrückt.
Daher konnte es sich der Vorstand leisten, großzügig mit Geldern des Vereins umzugehen. Z.B.: Im Rahmen des grünen Plans wurde der Weg zum Flugplatz befestigt. Natürlich nicht für die Flieger, sondern für die Landwirtschaft. Der Bad Homburger Club zahlte diesen Weg in zehn Jahren ein zweites Mal. Dieses Gebaren musste sich selbstverständlich auf die Gebühren für die Mitglieder auswirken.
Aus diesem und anderen Gründen reifte in uns die Erkenntnis heran, dass wir auf jeden Fall einen eigenen Flugplatz eröffnen sollten, auf welchem nur die Segelflieger den Ton angeben werden. Ein Verein ohne ein eigenes Fluggelände war vollkommen indiskutabel, weil im Rhein-Main-Gebiet etliche Flugsportclubs ohne Platz herumvagabundierten.
Eines Tages führte uns Carol Stehling - später Gründungsmitglied in Riedelbach - zu einer Ödlandfläche oberhalb von Pfaffenwiesbach, welche mit relativ geringem Aufwand für unser Vorhaben hätte hergerichtet werden könnte. Dass wir hier nicht seßhaft wurden, lag daran, daß uns der Deutsche Aeroclub davon abriet, dem Platz in Anspach so dicht auf den Pelz zu rücken. Andererseits hatte sich gleich nach dem Bekanntwerden in Pfaffenwiesbach eine Gegeninitiative formiert.
Wir gingen weiter auf die Suche im Hintertaunus. Unsere Sondierungen erstreckten auf einige interessante Gemarkungen, wie Naunstadt, Niederlauken, Seelenberg, Oberems und Kröftel.
Das Betriebsklima auf dem Ansacher Flugplatz wurde immer frostiger. Der Leistunsflug beschränkte sich nahezu auf die Bedingungen zur Silber-C. Was darüberhinausging, wurde systematisch erschwert. Darum wechselten einige Mitglieder zu Nachbarvereinen über. So auch Hänschen Ziffer, dem man andichtete, dass er bei Langenselbold den Anflugsektor des Rhein-Main-Flughafens verletzt haben sollte.
Die Zeit lief weiter und jetzt sollte uns ein ganz großer Zufall zur Hilfe kommen. Die Mutter von Rolf Straßer lernte bei ihrem Aufenthalt im Krankenhaus die Frau des Riedelbacher Bürgermeisters kennen. Die Familien freundeten sich an und daher erschien unser Rolf eines Tages mit dem Bürgermeister Heinz Guckes von Riedelbach auf dem Flugplatz in Anspach.
Nachdem mich unser Rolf mit dem Bürgermeister bekanntgemacht hatte, fragte
mich dieser, ob so ein kleiner Flugplatz nicht auch nach Riedelbach passen würde. Diesen Worten maß ich anfangs noch keine Bedeutung bei, beim Verabschieden
wurde jedoch ein Treffen in Riedelbach verabredet.
Von jetzt ab führte mich mein Weg öfter nach Riedelbach und es entwickelte sich daraus eine regelrechte Freundschaft, bei der so mancher Schoppen Wein verzehrt wurde. Es ist wirklich erstaunlich, welche Begeisterung mein neuer Freund, Heinz Guckes, für unsere Fliegerei entwickelte, obwohl er damals schon fast im 70. Lebensjahr war. Ein Flugplatz in Riedelbach, diese Attraktion würde ihm noch fehlen, nachdem er es erst kürzlich erreicht hatte, daß eine neue Mittelpunktschule nach Riedelbach kommt.
Eines Tages berichtete er mir, dass für die nahe Zukunft eine weitreichende Flurbereinigung beschlossen wurde, und so ganz nebenbei würde dadurch auch ein Flugplatz abfallen. Die Durchführung dieser Maßnahme erfolge zusammen mit dem Kulturamt in Wiesbaden und mit dieser Behörde wolle er eine Zusammenkunft für uns in die Wege leiten.
Am 5. August 1965 trafen dann, Willi Meister und ich, mit dem Reg.Rat Josef Kostal am Bendertempel auf der Riedelbacher Heide zusammen. Dieser kam ganz grün gekleidet daher, und wir glaubten uns erst einem Förster gegenüber. Anfangs entspann sich eine lockere Unterhaltung, doch was dann kam, sah aus wie ein Verhör, welches die Stasi nicht hätte gründlicher durchführen können.
"Wo kommt ihr her? - Wer kann für euch bürgen? - Versteht ihr etwas vom Fliegen? - Habt ihr so viel Geld, um einen Flugplatz anzulegen und dann zu unterhalten? - Wo kommen die Flugzeuge her? - Übrigens dauert die Errichtung eines Flugplatzes minimal zwei Jahre!"
Wir waren erst einmal leicht schockiert über das Gehörte und daher wollten wir diese Angelegenheit mit dem Bürgermeister regeln. Das geschah dann bei meinem nächsten Plausch mit Heinz Guckes. Dieser sah das alles nicht so eng, schließlich haben die Gemeindevertreter das letzte Wort,- und diese lägen doch ganz auf seiner Linie. Es bestünde doch überhaupt kein Grund zu einer Beunruhigung.
Etwa zwei Wochen später trafen wir uns auf Wunsch von J. Kostal im "Kühlen Grund" in Mauloff. Mit von der Partie war diesmal Peter Schwenk. Wir mussten uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir scheinbar kein ernsthaftes Interesse zeigten, denn wir hätten uns zu seinen Darlegungen noch gar nicht geäußert. - Er würde den Platz dann dem Deutschen Aeroclub anbieten.
"Das mit dem Aeroclub sollten sie tunlichst unterlassen, denn zu diesem unterhalten wir die besten Kontakte!" Das war meine Antwort und ich fügte hinzu, dass wir bereits zur nächsten Gemeinde-Vertretersitzung eingeladen wurden und fragte ihn dann, ob er da auch anwesend sein würde.
Er hatte keine Einladung erhalten.
Die Gemeinde-Vertretersitzung war für uns ein voller Erfolg. Dort hatte ich die Gelegenheit erhalten, das Flugplatzprojekt zu erläutern, wobei ich natürlich die Vorteile für die Gemeinde hervorhob. Als ich dann noch anführte, dass der künftige Halter des geplanten Platzes ein in Riedelbach ortsansässiger Verein sein wird, welcher auch den Namen SPORTFLIEGERCLUB RIEDELBACH führen wird, erhielt ich von allen Seiten Beifall.
Die Stimmung war gut für uns und so nutzte Heinz Guckes die Gunst der Stunde zu einem Entschließungsantrag.
Das Votum fiel einstimmig aus und es wurde folgender Beschluß gefaßt:
Die Gemeinde Riedelbach wird auf der RIEDELBACHER HEIDE eine ausreichende Fläche für einen Flugplatz zur Verfügung stellen. Die dazu erforderlichen Grundstücke sollen im Rahmen der laufenden Flurbereinigung derart umgelegt werden, daß die gesamte Fläche in Gemeindebesitz übergeht. Der Pachtvertrag wird exklusiv mit dem in Gründung befindlichen Sportfliegerclub abgeschlossen. Eine angemessene Pacht soll mit diesem festgelegt werden.
Jetzt war die Katze aus dem Sack und wir waren wieder am Zuge.
Zu allererst beendete ich meine Mitgliedschaft beim Luftsportclub Bad Homburg, weil meine nächsten Aktivitäten moralisch nicht angreifbar sein durften.
Zum harten Kern der Platz- und Clubbegründer zählten momentan:
Rolf Straßer, Willi Meister, Peter Schwenk, Carol Stehling, Günter Ehrhardt, Kurt Jungels, Erich Sturm und meine Wenigkeit.
Weiterhin meldete sich Alexander von Radowitz an, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Bad Homburger Vorstand in der Zwischenzeit zum Aeroclub Wiesbaden übergesiedelt war.
Die Werbetrommel wurde noch einmal gerührt und dann fand am 18. Oktober 1965 im Cafe Lohnstein in Riedelbach die Gründungsversammlung statt.
Der neue Verein erhielt den Namen:
SPORTFLIEGERCLUB RIEDELBACH / TAUNUS
In den Vorstand wurden gewählt:
1. Vorsitzender: Ernst Pleschke
2. Vorsitzender Kurt Jungels
Schriftfuehrer Peter Schwenk
Kassierer Willi Meister
Was kam danach?
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Nachdem der Verein gegründet war, überschlugen sich auch die Ereignisse. Der Vorstand des Luftsportclub Bad Homburg, von der ehemaligen Heimat der meisten Gründer, hatte bislang immer geglaubt, die Idee von einem neuen Verein würde bald wie eine Seifenblase an den harten Alltags-Tatsachen zerplatzen. - Doch jetzt steht es sogar in der Zeitung, dass es in Riedelbach eine Konkurrenz geben wird. Das wollte man so nicht ohne weiteres geschehen lassen, daher begannen sehr unschöne Störmanöver.
Unsere nächsten Schritte waren:
1. Die Eintragung des Clubs in das Vereinsregister beim Amtsgericht Usingen;
2. der Antrag auf Mitgliedschaft beim DEUTSCHEN AEROCLUB und
3. das Genehmigungs-Verfahren für einen Flugplatz beim Regierungspräsidenten in Wiesbaden.
Beim Amtsgericht in Usingen gab es keine Schwierigkeiten, doch beim Deutschen Aeroclub gingen sofort Einsprüche aus Bad Homburg ein. Auch beim RP in Wiesbaden wurde von dieser Seite interveniert. Als die gezielten Anwürfe nicht Wirkung zeigten, sollte das Geld von Herrn Harald Quandt eingesetzt werden, um in Riedelbach das Wasser abzugraben.
Rudi Weiß, Chefpilot von Quandt, erschien eines Tages beim Bürgermeister-Stellvertreter Siegfried Maurer mit dem unverblümten Ansinnen, den künftigen Platz doch besser dem Luftsportclub Bad Homburg zu überlassen. Dort hätte man im Gegensatz zu den "Neuen" aus Riedelbach doch das nötige Kleingeld im Hinterhalt. Dazu muss man wissen, daß Rudi Weiß vor seiner Zeit bei Quandt einen Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen betrieb, und daher kannte er auch den Landwirt Maurer.
Diese Aktion wurde beim Bürgermeister Guckes bekannt, und Alexander von Radowitz machte sich sofort auf zu seinem ehemaligen Kriegskameraden Harald Quandt. Es gab einen nachhaltigen Krach, weil Harald Quandt es sich verbat, seine Person in derartige Spekulationen mit einzubeziehen. Hermann Zitter wurde nicht müde, neue Schikanen gegen uns Riedelbacher zu erfinden. Beim RP in Wiesbaden erfuhren wir plötzlich, dass ein neuer Platz in Riedelbach nicht genehmigt werden kann, weil im Hintertaunus neben dem Flugplatz Anspach noch der Aussenlandeplatz Oberems existieren würde. Daraufhin fuhr ich sofort zum Oberemser BM Mohr, wo ich erfuhr, dass zwar noch kein Platz in
Oberems ausgewiesen wurde, doch da läge doch ein Antrag aus Bad Homburg vor. BM Mohr , den Kurt Jungels gut kannte, riet uns dazu, doch auch einen Antrag auf Errichtung eines Flugplatzes zu stellen, damit die Gemeindevertreter beschließen können.
Zur nächsten Gemeinerats-Sitzung wurden wir und der Vorstand des LSC Bad Homburg geladen. Nach den Vorträgen der beiden Clubs berieten sich die Gemeindevertreter und da man erkannte, dass die Homburger ein ganz mieses Spiel trieben, lehnte man erst einmal ihren Antrag ab.
Für Riedelbach hielt man die Option für einen Flugplatz offen.
Als wir den schriftlichen Bescheid der Gemeinde Oberems beim RP in Wiesbaden vorlegeten, war die Intervention des LSC Bad Homburg vom Tisch.
Doch beim RP sagte uns der Oberregierungsrat Räder, dass etwa 13 Ämter bzw. Dienststellen ihr "OK" zu dem Projekt geben müssten, bevor er die amtliche Genehmigung gemäß Luftverkehrs-Gesetz erteilen könnte. Das waren z.B. die Bundesanstalt für Flugsicherung, die Bundeswehr, die Amerikanischen Streitkräfte, die Oberen und Unteren Naturschutzbehörden, das Landratsamt u.a.m. Diese Stellen klapperte ich alle selbst ab , um eventuell Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und das Verfahren zu verkürzen.
Nachdem der Flugsicherheitsinspektor Willi Gilges ein sehr positives Gutachten über das Riedelbacher Gelände erstellt hatte und der Deutsche Aeroclub sich für uns aussprach, hatten wir auch Herrn Räder auf unserer Seite.
Zwischenzeitlich wurden wir unter Nr. 92 in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Usingen eingetragen.
Im Januar 1966 wurden wir als Mitgliedsverein in den DEUTSCHEN AEROCLUB aufgenommen und wir beteiligten uns intensiv an der Verbandsarbeit.
Der Landrat Müller in Usingen begrüßte unsere Riedelbacher Initiative persönlich und er musste noch einmal schlichtend eingreifen, als eine "Grüne Front" , bestehend aus Unterer Naturschutzbehörde, dem Forstamt in Weilnau, dem Zweckverband "NATURPARK HOCH-TAUNUS und den Vogelschutzvereinen, auf den Plan traten. Man wollte auf keinen Fall einen Motorflugbetrieb dulden. Die Ausbildung zum Flugzeugschlepp sollte nur jeweils auf Antrag vom RP genehmigt werden. Auch der örtliche Jagdpächter Harald Dyckerhoff, Zementfabrikant aus Wiesbaden, entpuppte sich anfänglich als Flugplatzgegner. Dieser hatte natürlich in Wiesbaden beim RP einen großen Einfluß und er musste daher von Alex v. Radowitz und mir sehr diplomatisch bearbeitet werden.
Am 24. April 1966 erfolgte dann der allererste Start eines Segelflugzeugs, gesteuert von WILLI Gilges, vom Segelfluggelände Riedelbach. Außerdem knüpfte Erich Sturm, der selbst Jäger war, Kontakte über seinen Freund - Oberforstmeister Dr. Groß aus Oberreifenberg zum Landesforstmeister Fröhlich, Wiesbaden. Mit seiner Hilfe konnte die Gegeninitiative "Grüne Front" zum Stillhalten bewegt werden.
Es nahte sehr schnell das Frühjahr 1966 und das RP beauftragte Willi Gilges mit der Flugerprobung in Riedelbach. Alex v. Radowitz brachte von Wiesbaden die Neuigkeit mit, dass der dortige Aeroclub eine sehr gut erhaltene Ka-7 im Tausch gegen eine Ka-8 abstoßen will. Da wir nach der Besichtigung auf dieses Flugzeug scharf waren, nahmen wir sofort die Verbindung mit der Firma Schleicher in Poppenhausen/Rhön auf. Jedoch würden die offiziellen Lieferzeiten dieses Vorhaben in das kommende Jahr verschieben. Jetzt sollte sich unsere positive Einstellung zur Verbandsarbeit das erste Mal auszahlen.
Im Anschluss an eine Tagung beim Hessischen Luftfahrtbund saßen wir in einer Bierrunde mit Werner Schleicher beisammen. Als ich ihm meine Sorgen bezüglich der Beschaffung einer Ka-8 schilderte, sagte er spontan, dass ein ganz glüchlicher Zufall ihm die Möglichkeit gibt, uns zu helfen.
Eine Fliegergruppe aus dem Rheinland musste nämlich aus wirtschaftlichen Gründen von der Abnahme einer zur Auslieferung anstehenden Ka-8 zurücktreten. Wir sollten in diesen Kaufvertrag einsteigen, dann stünde uns ganz kurzfristig dieses Flugzeug zur Verfügung.
Diese tolle Gelegenheit wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen und daher glühten jetzt die Telefonleitungen. Peter Schwenk setzte allen Gründungs-Mitgliedern die Pistole auf die Brust und bald hatte er das nötige Kleingeld - ca DM 10.000 - beisammen.
Der Aeroclub Wiesbaden bekam seine nagelneue Ka-8 und wir wurden zu Ostern 1966 stolze Besitzer eines gut erhaltenen Doppelsitzers. Da wir ja noch keine Werkstatt hatten, durften wir sogar die nächste Überholung mit den Wiesbadenern zusammen in ihrer Werkstatt durchführen.
Wir holten unseren Vogel ab, um diesen unserem Bürgermeister Guckes zu präsentieren. In Riedelbach ging das herum wie ein Lauffeuer. Doch fliegen
durften wir wegen der noch ausstehenden Genehmigung auf unserem Flugplatz noch nicht. Die Ka-7 wurde kurzerhand in Breitscheid stationiert, wo wir erfahrenen Piloten den Flugbetrieb vorübergehend aufnahmen. Dort wurden wir von Schleppflugzeugen hochgezogen und wir flogen mit unserer neuen Ka-7 meist zu zweit. Es entwickelte sich ein reger Ausflugsverkehr nach Breitscheid/Westerwald. Unser neuer Freund Josef Kostal nahm oft die Gelegenheit wahr, dort als Begleiter mitzufliegen. Ich hatte einige längere Flüge mit seiner damaligen Frau Martha gemacht, welche mir die ganze Gegend um Herborn herum sehr genau beschrieb. Das war nicht verwunderlich, denn sie stammte aus dieser schönen Landschaft.
Unser Vergnügen im Westerwald sollte nicht mehr sehr lange andauern. Die Platzgenehmigung hatten wir bereits in den Händen und am 18. Juni 1966 gab der damalige Verkehrsminister Rudi Arndt unser Segelfluggelände Riedelbach in einer schlichten Feierstunde frei.
Flugbeginn
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In der Zwischenzeit hatte sich die SEGELFLUGGRUPPE ARTUR MARTENS, Oberursel zu uns gesellt. Das hatte den Vorteil, dass dadurch noch zwei weitere Flugzeuge - eine Ka-8 und eine Ka-7 - an den Platz kamen. Wir bildeten eine Fluggemeinschaft, in der alle drei Flugzeuge von allen geflogen werden durften. Außerdem brachten die Oberurseler auch eine Winde mit, bei welcher jedoch der Motor nicht einwandfrei funktionierte. Das sollte bei der Platzeinweihung der Hessische Wirtschaftsminister Rudi Arndt bei einem Gaststart gleich erfahren.
Rolf Straßer, der den Minister fliegen wollte, musste in niedriger Höhe den Start abbrechen, weil der Windenmotor nicht auf die entsprechende Leistung kam.
Im Gleitflug ging es dann talwärts - und in der Zeitung las man:
"Der Minister landete im Kartoffelacker!"
Flugbetrieb

Nach der Freigabe des Flugplatzes wurde jetzt jedes Wochenende geflogen. Wie schon berichtet, hatten sich die Oberurseler zu uns gesellt, aber auch andere Fluggruppen aus unserer Region beobachteten das Treiben in Riedelbach. Teilweise wurden wir aber auch belächelt, weil wir bei Beginn nur 700m für die Schleppstrecke zur Verfügung hatten. Wenn man nicht gleich nach dem Ausklinken einen richtigen "Bart" erwischte, war die Platzrunde nur von kurzer Dauer. Eines schönen Tages erschien auch der bekannte Leistungssegelflieger Leo Allkämper, zu einer Beteiligung mit seiner Königsteiner Gruppe am Flugplatz konnte er sich jedoch noch nicht durchringen, weil ihm das alles noch zu vage erschien.
Manfred Knoblich, der mich vom Beruf her kannte und von userem Platz erfuhr, hetzte seinen 1. Vorsitzenden Herbert Schulz auf uns, da der Rüsselsheimer Verein für Luftfahrt wegen Überbelegung der Rüdesheimer Forstwiesen ein besseres Zuhause suchte. Es dauerte nicht lange, und die Rüsselsheimer kamen mit zwei Flugzeugen zum Probefliegen zu uns. Sie waren sehr an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert und daher kamen sie am nächsten Wochenende schon mit drei Maschinen. Sie besaßen eine Ka-7, einen Spatz und eine Ka-6E stand kurz vor der Auslieferung. Das dritte Flugzeug, mit dem sie erschienen, war eine private Ka-6 CR von Herbert Schulz und den beiden Münzenbergers.
Es entwickelte sich bald eine sehr freundschaftliche Zusammenarbeit und sie erklärten auch ganz frei heraus, dass sie bei uns bleiben wollten. Das hatte zwangsläufig zur Folge, dass jetzt die Oberurseler eifersüchtig wurden. Im nächsten Frühjahr orientierte sich die Segelfluggruppe ARTUR MARTENS (Oberursel) nach Anspach zu den Bad Homburgern.
Kurt Jungels war in der Zwischenzeit auf der Wasserkuppe zu einem Fluglehrerlehrgang und so konnten wir einen eigenen Ausbildungsbetrieb anmelden. Es kamen eine ganze Reihe von Flugschülern, ja sogar aus Riedelbach. Auch Josef Kostal - der nach eigenen Angaben im letzten Krieg Kampfflieger war - meldete sich zur Schulung an. Im übrigen war er jetzt sehr oft in Riedelbach, weil die Flurbereinigung voll anlief. Dadurch konnte er sehr viel für uns herausschinden und er hatte sich inzwischen auch in unsere Mitgliederliste eingetragen. Wir begrüßten das außerordentlich, weil wir uns davon viel versprachen. Aus diesem Grunde wurde ihm auch die Mitglieds-Nr 1 auf Vorstandsbeschluß verliehen.
Eigene Planierraupe
Eine vielversprechende Idee hatte Josef Kostal eines Tages, als er unserem Verein eine Planierraupe anbot, die sein Amt abstoßen wollte. Diese Raupe sollte dann wieder von seinem Amt gemietet werden.- Natürlich war dieses Räumgerat schrottreif.
Aber egal, Willi Meister übernahm die Vermarktung in unserem Namen über seine Firma. Die besagte Planierraupe lief jetzt für uns und Josef meinte:
Eine nagelneue Ka-6 würde bald unser Eigentum davon sein.
Doch es kam anders als gedacht, die Raupe gab vorzeitig ihren Geist auf und sie war auch nicht mehr zu reparieren. Es bedurfte schwieriger Verhandlungen, um den Verlust für uns gering zu halten, denn der Kaufpreis war noch nicht voll abgestottert.
Unterbringung der Flugzeuge
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Da wir auf unserem Flugplatz noch keine Halle zur Verfügung hatten, mussten wir nach anderen Unterstellmöglichkeiten suchen. Einige Landwirte erlaubten uns daher, unsere Segelflugzeuge und die Schleppwinde in ihren Scheunen unterzustellen. Manche Scheunen waren auch zu kurz, darum blieben dann die Tore offen. Der Anhänger, welcher ein Plane hatte, ragte eben ein Stückchen heraus.
Die Oberurseler Flugzeuge kamen auf ihren Anhängern in einer Omnibushalle der Post in Schmitten unter, was Kurt jungels organisierte.
Erste Flugschüler aus Riedelbach
Bruno Hahn fing als erster Riedelbacher Bürger mit der Schulung an, nachdem er zuvor eifrig dem Modellfliegen zugetan war. Danach meldeten sich Franz Schafferhans und Klaus Buhlmann. Eberhard Schneider, Karlheinz Pauli und August Guckes trugen sich als Förderer in unsere Mitgliederliste ein. Die anderen Riedelbacher Einwohner begleiteten unser Treiben mit großem Interesse.
Windenbau bei der Fa. Willi Meister in Ffm, Windeckstr.
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Nachdem die von den Oberurselern beigestellte Winde sich als nicht voll eisatzfähig erwiesen hatte, gingen wir zuerst gemeinsam auf die Suche nach einem geeigneten Motor. Doch der Umbau sollte in Oberursel längere Zeit in Anspruch nehmen.
In der Zwischenzeit klapperten Willi Meister und ich die Schrottplätze im Frankfurter Osthafengebiet ab, um einmal einen amerikanischen Motor mit Automatik-Getriebe aufzutreiben und zum anderen Profilmaterial für den Windenaufbau zu finden. Es durfte ja alles nicht viel kosten. Kurt Jungels besorgte bei der Bundespost ein ausgedientes Paketauto, das für den Einbau des Winden-Aggregats vorgesehen war.
Da für den Umbau etliche Karosseriearbeiten erforderlich wurden, und wir und unter den bisherigen Mitgliedern keine geeignete
Fachkraft hatten, erinnerte ich mich an einen Karosseriebaumeister bei der Firma Glöckler, der sich schon immer für den Segelflug interessierte, aber aus finaziellen Gründen nicht dazu kam. Zu diesem fuhr ich, um ihm einen Deal vorzuschlagen.
Er sollte die notwendigen Arbeiten am Postauto übernehmen - im Gegenzug sollten ihm die Aufnahme-Gebühren erlassen werden. Das klang für unseren Max Friedel sehr verlockend. Er müsste sich das alles erstmal überlegen, aber helfen wollte er uns auf alle Fälle.
Eines Tages erschien Max Friedel beim Willi Meister in seiner Werkstatt und fragte, wo denn das Gefährt steht. Er habe seinen blauen Kittel und Werkzeuge dabei und möchte jetzt einige Abende in der Woche daran arbeiten. Der alte Paketwagen passte natürlich nicht auf den Hof der Firma Meister und stand daher im Freien - unter einer Bahnunterführung bei der Frankfurter Großmarkthalle. Das sollte von jetzt ab sein Feierabendarbeitsplatz werden. Fliegen würde er von Herzen gerne, doch da ist seine Frau wohl dagegen.
Kurt Jungels nahm extra Urlaub, um den Windenbau voranzutreiben. Das Betreiben der Zulassung durch das Luftfahrtbundesamts war natürlich wieder mein Job, weil ich mit dieser Behörde bereits in Baden-Württemberg für den Sportfliegerclub Leonberg eine Winde gebaut hatte. Daher wurde unsere Winde nach dem gleichen Prinzip - der "Backnang-Winde - hergestellt.
Nach den ersten Probestarts im Beisein des amtlichen Sachverständigen Arthur Kemper waren wir alle froh, eine leistungsstarke und gut funktionierende Winde zu besitzen.
Max Friedel war jetzt auch immer dabei, es dauerte aber noch eine kurze Zeit, bis seine Frau Bernadette davon überzeugt war, dass der Familienfrieden am besten gewahrt ist, wenn sie mitziehen würde. Max und sein 6-jähriger Sohn Harald überzeugten sie dann auch davon. Heute ist die liebe Bernadette eine echte "Fliegerfrau und Fliegermutti" geworden, denn Harald hat sich vom kleinen Seilfahrer zum Leistungsflieger gemausert. Bei den Wettbewerben mischt er meist ganz vorne mit.
Fusion Riedelbach - Rüsselsheim
Die Rüsselsheimer kamen immer mit höchstens 4 bis 5 Mann, aber mit 3 Flugzeugen. Aus Spaß sagte ich dann einmal zum 1. Vorsitzenden Herbert Schulz: " Das gäbe doch eine gute Vernunftsehe. Da ihr eure Flugzeuge nicht wirtschaftlich nutzen könnt, währe doch ein Zusammenschluß für beide Partner von Nutzen. Gemeinsam besäßen wir einen Flugplatz, eine Winde und einen ganz tollen Flugzeugpark."
Die Rüsselsheimer dachten über meinen Scherz nach und sie kamen mit dem Vorschlag, eine Verhandlungs-Kommission zu bilden, welche einen hieb- und stichfesten Vertrag ausarbeiten sollte.
Außerdem wollten sie auch unser Fluglehrer-Problem dadurch entkrampfen, daß Günter Zech und Albert Münzenberger auf einen Fluglehrer-Lehrgang auf die Wasserkuppe gehen.
Die Kommission - Josef Kostal, Lutz Henze, Albert Ganzwind und Heinz Grüter - leistete ganze Arbeit. Doch wäre die neue Ka-6E bald zum Stolperstein geworden, weil vom Vorstand der Rüsselsheimer Günter Zech beauftragt wurde, zu entscheiden wer und wann damit fliegen durfte.
Es gab öfters Unstimmigkeiten und daher wurde in den Vertrag aufgenommen, dass eine Fusion erst vollzogen wird, wenn Riedelbach eine ebenbürtige Maschine in die Gemeinschaft eingebracht hat. Das gab für uns eine neue Motivation und die Lösung sollte sich bald anbahnen. Heinz Grüter wollte nämlich seinen privaten Cirrus verkaufen.
Dieses Flugzeug war mehr als gleichwertig, - wir übernahmen diesen Vogel und jetzt konnte der Vertrag von beiden Vorständen abgesegnet werden.
Die Fusion Riedelbach - Rüsselsheim war damit volzogen, der neue Verein übernahm den Namen
SPORTFLIEGERCLUB RIEDELBACH/TAUNUS e. V.